Schwerhörige in Deutschland 2016

Veröffentlicht am 21.12.2016

In Deutschland leben 82 Millionen Menschen, doch wie viele davon sind schwerhörig? Auf der Suche nach Daten und Fakten.

nzahl Schwerhoeriger in-Deutschland

Die Suche nach der wahren Anzahl der Schwerhörigen ist keine leichte. Sehr unterschiedliche Angaben lassen sich aus den unterschiedlichen Quellen ausmachen. Eine weitläufig verbreitete Angabe ist, dass es in Deutschland 15 Millionen Menschen mit einer Hörminderung gibt.

Das entspräche einem Anteil von knapp 21 % der über 14-jährigen. Diese Zahl stammt aus dem Jahr 2012 und basiert auf einer Hochrechnung des Deutschen Schwerhörigenbund e.V. (DSB). Diese Hochrechnung legte eine Studie von Herrn Dr. Wolfgang Sohn von der Universität Witten/Herdecke in Zusammenarbeit mit Siemens Audiologische Technik zu Grunde, bei der 2000 hausärztliche Patienten im Jahr 1999 befragt wurden. Die Hochrechnung des DSB wurde anhand der Bevölkerungsentwicklung vorgenommen. „Die daraus resultierenden Ergebnisse sind zwar nicht befriedigend; es ist aber das Beste, was heute existiert“ kommentiert der DSB.

Statistiken über Anzahl Schwerhörige 2016

EuroTrak 2015

Lange galt diese Angabe als fest gegeben, bis in diesem Jahr aktuellere Zahlen veröffentlicht wurden (siehe Tabelle). Erst kürzlich veröffentlichte die BARMER GEK in einer Pressemittteilung vom 15. November 2016 ihre bundesweiten Hochrechnungen zum Anteil der Schwerhörigen. Demnach weisen im Bundesdurchschnitt 3,91% der Bevölkerung eine Hörminderung auf.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Statistische Bundesamt im Rahmen ihres Reports über Schwerbehinderte. Ausgehend von insgesamt 7,6 Millionen schwerbehinderten Menschen, leiden 4% unter einer Einschränkung ihres Gehörs. Die Biha, die Bundesinnung für Hörgeräteakustiker, berichtet von 6,6 %. Die aus unserer Sicht wesentlichen und aktuellen Quellen sehen einen durchschnittlichen Wert von circa 5 %. Zu einem Ergebnis von 12,1 %, mit einem deutlich großen Abstand also, kommt die im Auftrag der EHIMA jährlich durchgeführte, europäische Studie EuroTrak.

Geht man also von aktuellen Quellen aus, beträgt der Anteil Schwerhöriger circa 5%, was beim Bevölkerungsstand von 82 Millionen circa 4.100.000 Schwerhörige bedeutet.

Angaben über die Anzahl Schwerhöriger in Deutschland im Überblick

Hier finden Sie die aktuelle Faktenlagen: 

 

BARMER GEK

Statistisches Bundesamt

Biha

EuroTrak
(EHIMA)

DSB

Jahr

2016

2016

k.A.

2016

2012

Anteil Schwerhöriger

3,91 %

4 %

6,6 %

12,1 %,

19 %

Alterseinschränkung

keine

k.A.

k.A.

keine

über 14 Jahre


Eine eindeutige Zahl, wie viele Schwerhörige es in Deutschland gibt, lässt sich aus der aktuellen Faktenlage allerdings nicht bestimmen. Aufgrund der unterschiedlichen Betrachtungsweisen, ab wann eine Schwerhörigkeit zu zählen ist, ergeben sich starke Unterschiede in den prozentualen Angaben der Tabelle.

Wodurch entstehen die unterschiedlichen Angaben?

So beziehen der DSB und EuroTrak in ihren Ermittlungen des Anteils an Schwerhörigen auch geringgradige Hörverluste ein, zu denen Hörverluste ab 20dB zählen. Das Statistische Bundesamt hingegen berücksichtigt in seiner Statistik allerdings erst Schwerhörige ab einem Behinderungsgrad (GdB) von 50%. Dieser wird ab einer hochgradigen Schwerhörigkeit von 60dB und mehr erreicht. Auch bei der BARMER GEK ist anzunehmen, das für die Auswertung ausschließlich der Anteil Schwerhöriger herangezogen wird.

Fakt ist: Hörschädigung nimmt zunehmenden Alter 

Mit zunehmenden Alter nimmt die Hörleistung ab. Dies ist ein ganz normaler Abnutzungsprozess unseres Körpers, bedingt durch die ständige Leistungsbereitschaft unseres Gehörs. Über die Jahre bauen, abhängig vom Lärm-Belastungsgrad, die fürs Hören verantwortlichen Haarsinneszellen ihre Aktivität irreversibel ab. In einer Hörmessung zeigt sich diese Abnutzungserscheinung als erstes im Bereich der hohen Frequenzen. Um diese genauso gut zu hören, wie vergleichsweise tiefe Töne, wird oftmals eine höhere Lautstärke benötigt. Diese hohen Frequenzen sind essentiell, um Gespräche gut und genau verstehen zu können. Diese sogenannte Hochtonschwerhörigkeit ist die häufigste Art eines Hörverlustes, die bundesweit diagnostiziert wird. Erwartungsgemäß setzt dieser Alterungsprozess zwischen 50-60 Jahren ein, wie auch die Statistik des Deutschen Schwerhörigenbund e.V. (DSB) belegt. Mit zunehmenden Alter steigt demnach auch der Prozentsatz der mit einem Hörgerät zu versorgenden Schwerhörigen. Dies zeigt auch die Statistik der EuroTrak, eine Marktanalyse, die durch die EHIMA, einer Vereinigung europäischer Hörgerätehersteller, durchgeführt wird. Sie zeigt auch, hingegen aller Vermutungen, dass sich die Anzahl der Hörgeschädigten in den letzten 6 Jahren im Durchschnitt um 10% zurück entwickelt hat.

schwerhoerige Jugendliche

aber: auch immer mehr Jugendliche benötigen Hörgeräte

Nach wie vor ist der Anteil der Schwerhörigen bundesweit sehr hoch. Dabei belegen gerade die Zahlen der Barmer GEK, dass Schwerhörigkeit nicht ausschließlich auf das Alter zurückzuführen ist. Erschreckender Weise übersteigt gerade der Anteil der 15-20Jährigen, den Versorgungsanteil mit Hörgeräten der 21-30Jährigen. Ob es auf den leichtsinnigen Umgang der Jugendlichen mit Ihrem Hörvermögen ist, ist nicht bekannt. Laut Winfried Plötze, Landesgeschäftsführer der Barmer GEK Baden-Württemberg, kann die Bereitschaft der Jugendlichen ein Hörgerät zu tragen, auch auf die immer kleiner werdende Bauweise von Hörgeräten zurückzuführen sein und die Fähigkeit, die hochentwickelten besser bedienen zu können, wie ältere Generationen.

Aktuelle Zahlen erfahren Sie hier: Anzahl Schwerhörige in Deutschland 2017.